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Meine Ausbildung zum Facereader

  • Thomas Roehm
  • 12. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

Meine Ausbildung zum Facereader war eine mehr als drei Jahrzehnte währende, vielschichtige Entwicklung. Sie umfasst unterschiedliche Schulen, kulturelle Einflüsse und Denkweisen und ist bis heute ein kontinuierlicher Prozess des Lernens, Prüfens und Verfeinerns.


Einstieg und frühe Prägungen

Den ersten Zugang zum Gesichtslesen erhielt ich durch einige Fachhefte des Helios-Verlags, die mir eine Kundin überreichte. Dabei begegnete ich der Lehre von Carl Huter, die eine Synthese aus antiker Temperamentenlehre, Physiognomik, Phrenologie und zeitgenössischen biologischen Konzepten darstellt.

Aufbauend auf den Arbeiten früherer Physiognomen veröffentlichte Carl Huter zahlreiche eigene Publikationen. Einerseits trug er viele bemerkenswerte Beobachtungen zusammen, die mich beeindruckten und faszinierten.

Andererseits finden sich darin auch erhebliche Fehlinterpretationen. Besonders deutlich wird dies an seiner Behauptung, Verbrecher am Gesicht erkennen zu können. Damit folgte er dem Zeitgeist seiner Epoche. Solche Ansichten führten später dazu, dass seine Arbeiten kritisch betrachtet und schließlich vollständig infrage gestellt wurden.

 

In dieser Zeit begegnete ich auch der physiognomischen Psychologie nach H.-R. Gabler-Almoslechner. Auch ihr Ansatz steht in der Tradition der deutsch geprägten Psycho-Physiognomik. Diese ist geprägt von der physischen Anthropologie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die zugrunde liegende Idee ist, dass innere Essenzen die äußere Gestalt formen und unterschiedliche Konstitutionen mit zugeordneten Verhaltensmustern in Verbindung gebracht werden.

Trotz meines Interesses bleibt eine innere Distanz zur Psycho-Physiognomik bestehen. Viele Zuordnungen erscheinen mir sehr subjektiv und wertend, und die Typologien wirken oft nicht differenziert genug, um die Vielfalt menschlicher Persönlichkeiten angemessen abzubilden.


Der bekannte Persönlichkeitscoach Bodo Schäfer sagte einmal: „Man darf Menschen nicht in Schubladen stecken und diese dann schließen.“ Diesem Grundsatz folge auch ich. Der Mensch ist ein dynamisches Wesen, das jederzeit die Möglichkeit hat, sich zu verändern und neue Wege einzuschlagen.

 

Ein entscheidender Wendepunkt

Das Fundament des „Siang Mien“ verdanke ich Eric Standop. Er hat diese Kunst über viele Jahre hinweg bei einem erfahrenen chinesischen Gesichtslese-Meister (Siang Mien) in Hongkong erlernt. Er verfügt über die besondere Fähigkeit, komplexes Wissen strukturiert, klar und zugleich spannend zu vermitteln.

Durch ihn erhielt ich Zugang zu den definierten Gesichtsformen des Siang Mien. Diese beschreiben wiederkehrende Persönlichkeitsstrukturen und individuelle Anlagen. Sein System vermittelt zudem, wie sich Hinweise auf persönliche Lebensaufgaben erkennen und zuordnen lassen.

Die Ausbildungen erfolgten damals in kleinen Gruppen mit persönlicher Lernatmosphäre. Bis heute habe ich engen Kontakt und fachlichen Austausch mit den damaligen Referenten und Mitschülern.

 

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Einen wichtigen Impuls erhielt ich durch die Arbeiten von Lillian Bridges. Sie erlernte die traditionelle Kunst des chinesischen Gesichtslesens (Mien Shiang) von ihrer Großmutter Mary Chen Lowe, deren Familie aus Shanghai stammte. Später verband Bridges dieses über Generationen weitergegebene Wissen mit ihrem Psychologiestudium und machte es einem westlichen Publikum zugänglich.

Sie vermittelte die enge Verbindung zwischen chinesischem Gesichtslesen und der TCM. Dabei spielt die Lehre der fünf Elemente – Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser – eine zentrale Rolle. Sie versteht Persönlichkeit und Verhalten als Ausdruck eines dynamischen Zusammenspiels von Energien. Von diesem Ansatz inspiriert, vertiefte ich mich in die TCM und erschloss mir durch das Studium zahlreicher Quellen eine faszinierende Sichtweise der TCM auf den Menschen und seine Entwicklung.

 

Prägungen in Partnerschaft und Sexualität

An Kuei Steiner-Chi betreibt in München ein Institut und erlernte das chinesische Gesichtslesen in Taiwan. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf den Themen Beziehungen, Partnerschaft und Sexualität. Diese Bereiche analysiert sie differenziert und praxisnah anhand physiognomischer Merkmale. Dabei haben mich vor allem ihre genaue Beobachtungsgabe und ihre anschauliche, bildhafte Vermittlung komplexer Zusammenhänge beeindruckt. In ihrer Arbeit verbindet sie Elemente der chinesischen Menschenkunde mit astrologischen Deutungsansätzen. Während ich ihre physiognomischen Analysen sehr schätze, kann ich den astrologischen Aspekten ihres Ansatzes nicht folgen.

 

Der japanische Ninsogaku

Durch meine japanische Ehefrau konnte ich Japan und seine faszinierende Kultur immer wieder aus nächster Nähe erleben. Dabei begegnete mir stets „Bushidō“, ein Werteverständnis und eine Lebenshaltung, die viele Bereiche des japanischen Lebens prägen: „Was immer du tust, tue es mit ganzer Hingabe“.

Diese Haltung spiegelt sich in der Ninsōgaku, der japanischen Tradition des Gesichtslesens, wider. Im Mittelpunkt stehen dabei weniger Vorhersagen als vielmehr Persönlichkeit und Lebenserfahrung. Besonders beeindruckt hat mich die Vorstellung, dass sich innere Entwicklung und gelebte Erfahrungen im Gesicht widerspiegeln.


Mein Verständnis hierfür wurde durch die Arbeiten von Mizuki Asai vertieft. Sie ist eine zeitgenössische Vertreterin des Ninsōgaku. Sie verbindet die traditionelle japanische Menschenkunde mit moderner Persönlichkeitsentwicklung und zeigt, wie Charakter, Potenziale und zwischenmenschliche Dynamiken im Gesicht sichtbar werden können. Diese Perspektive hat mein Verständnis der Physiognomik nachhaltig bereichert.

 

Erweiterung durch Irisdiagnose

Als Optometrist betrachte ich täglich die Augen meiner Kundinnen und Kunden mit der Spaltlampe. Dieses hochauflösende Vergrößerungsinstrument macht selbst feinste Strukturen sichtbar. Durch diese intensive Beobachtung des Auges wurde früh mein Interesse an den Zusammenhängen zwischen äußeren Merkmalen und individuellen Eigenschaften geweckt.

Vor rund 20 Jahren besuchte ich in München meinen ersten Lehrgang in Augen-Irisdiagnostik nach Josef Angerer. Von erfahrenen Heilpraktikern lernte ich über viele Jahre hinweg die Grundlagen und Denkmodelle dieser Methode kennen. Bis heute verbindet uns ein regelmäßiger fachlicher Austausch. Dabei wird die Iris als Ausdruck der individuellen Konstitution verstanden. Ihre Strukturen werden als Hinweise auf genetische Dispositionen, funktionelle Zusammenhänge im Organismus sowie auf Spuren körperlicher Ereignisse interpretiert.

 

Zusammenarbeit  im Team www.TheFacereader.de

Für mich ist der kontinuierliche Austausch in unserem Team von besonderer Bedeutung. Wir verstehen unser modernes Face Reading als Lebensaufgabe, reflektieren unterschiedliche individuelle Ansätze und überprüfen deren Anwendbarkeit.

Unsere regelmäßigen gemeinsamen Zoom-Readings sind ein zentraler Bestandteil dieser Arbeit. Sie zeigen immer wieder, wie stark Menschen durch differenzierte Gesichtsanalysen berührt werden und wie nachhaltig diese Impulse im Alltag nachwirken.


Für mich liegt der eigentliche Wert dieser Arbeit nicht im schnellen Urteil, sondern in der achtsamen Wahrnehmung und Begleitung menschlicher Entwicklungsprozesse.

 

 
 

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Facereader Thomas Roehm  |  Rosenkavalierplatz 12  |  81925 München  |  Tel. 0175 44 00 300  |  E-Mail: facereader@online.de

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